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UBA fordert höhere Preise bei Plastiktüten

Die Deutschen verbrauchen weitaus weniger Plastiktüten als ihre europäischen Nachbarn, denn noch will das Umweltbundesamt die Anzahl der Plastiktüten senken und fordert höhere Abgaben. Sehr zum Leidwesen des Handels und der Verpackungsindustrie.
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UBA fordert höhere Abgaben auf Plastiktüten (Foto by Sascha Kohlmann/flickr)

Jute statt Plastik: Immer mehr Deutsche beherzigen den Slogan der Umweltbewegung und verwenden bei ihren Einkäufen lieber Baumwoll- oder Papiertaschen als Plastiktüten.

Dennoch möchte das Umweltbundesamt (UBA) die Anzahl der Plastiktüten weiterhin reduzieren und fordert dass alle Kunststofftragetüten etwas kosten müssen. Bisher gibt es keine gesetzliche Verpflichtung der Händler Geld für die Tragetaschen zu nehmen.

Bereits jetzt kosten stabilere Einkaufstüten in Lebensmittelgeschäften zwischen 10 und 30 Cent, aber viele andere Läden geben sie kostenlos ab. Besonders gegen die dünnen Plastiktüten (Hemdchenbeutel), die gerne bei den Obst- und Gemüseständen verschenkt werden, möchte das UBA vorgehen. Diese werden meist nur einmal verwendet und landen dann im Müll.

„Einwegtüten sind ein kurzlebiges Produkt. Selbst wenn man sie zwei-oder dreimal verwendet, so lassen sie sich dennoch schwer mit Abfallvermeidung und effizienter Ressourcennutzung in Einklang bringen." sagt Thomas Holzmann, Vizepräsident des UBA.

In der Kritik des UBA stehen auch Plastiktüten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen, da sie das Recycling konventioneller Kunststoffe beeinträchtigen. In den Kompostierungsanlagen werden die Kunststoffe meist als Störstoffe aussortiert. Zu dem reicht die Rottezeit in vielen industriellen Kompostierungsablagen für eine Zersetzung der biologisch-abbaubaren Kunststoffe nicht aus.

Anzahl der Plastiktüten sinkt seit 2000

Kurt Schieler von der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) hält die Forderungen des UBA denn auch für übertrieben. „Man muss sich schon fragen, ob eine solche Forderung im richtigen Verhältnis steht. Das klingt ein bisschen so, als wolle man mit Kanonen auf Spatzen schießen."

Laut der von ihm präsentierten Studie ist die abfallwirtschaftliche Relevanz der Plastiktüten zu gering. Seit der Jahrtausendwende hat die Anzahl der verwendeten Kunststofftragetaschen in Deutschland kontinuierlich abgenommen. Von knapp 7 Milliarden Tragetaschen im Jahr 2000 sank die Anzahl bis 2012 auf 6,1 Milliarden Plastiktüten. Dies entspricht einem Rückgang um elf Prozent.

Von den 6,1 Milliarden Plastiktüten können knapp 52 % (3,2 Mrd.) in der Regel nicht wiederverwendet werden, darunter fallen insbesondere kleinformatige Tragetaschen, z.B. aus Drogerien. Hinzu kommen noch 3,1 Milliarden nicht wiederverwendbare Hemdchenbeutel (durchschnittliche Folienstärke von 21 Mikrometer) für Bedienungswaren. Dies entspricht einem Pro Kopf-Verbrauch von 39 Hemdchenbeutel pro Jahr.

Nach den Angaben der Studie beträgt der Anteil der Plastiktüten am Abfallaufkommen von Siedlungsabfällen 0,17 Prozent, davon entfallen 0,03 Prozentpunkte auf Tragetaschen, die nicht zur Wiederverwendung geeignet sind.

Verbrauch von Plastiktüten in Europa sehr unterschiedlich

Ein leuchtendes Beispiel bei der Einführung einer Gebühr für Plastiktüten ist Irland. So verbrauchte noch vor kurzem jeder Ire 328 Kunststofftragetaschen im Jahr. Nach der Einführung einer Abgabe von 22 Cent sank die Anzahl auf nur noch 16 Tüten pro Einwohner und Jahr.

In der Tat ist der Verbrauch von leichten Plastiktüten pro Kopf und Jahr in der EU sehr unterschiedlich. Während Dänemark und Finnland nach Schätzungen vier Beutel verbrauchen, sind es schätzungsweise 466 Tragetaschen in Polen, Portugal oder in der Slowakei. Durchschnittlich kommen auf jeden EU-Bürger 198 Kunststofftragetaschen pro Jahr. Deutschland rangiert mit rund 76 Tüten deutlich darunter.

Im November 2013 hatte die EU-Kommission von den EU-Mitgliedstaaten verstärkt Maßnahmen gegen dünne Plastiktüten gefordert. So soll der Verbrauch von leichten Einweg-Tüten mit einer Wandstärke von weniger als 50 Mikrometer deutlich reduziert werden. Der Handelsverband Deutschland (HDE) wandte sich gegen die Vorschläge der EU-Kommission und wies daraufhin, dass viele Händler schon ausreichend Alternativen wie Baumwolltragetaschen anbieten.

Vermüllung der Meere nimmt zu

Trotz eines in Deutschland hoch entwickelten Abfallwirtschaftssystems in der Verpackungsabfälle getrennt erfasst und anschließend einer energetischen oder stofflichen Verwertung zugeführt werden, gelangen dennoch regelmäßig Plastiktüten in die Umwelt. Ihre Reste lassen sich weltweit in den Meeren und an den Küsten finden.

Die Ost- und Nordsee ist da keine Ausnahme, wie erstmals Zählungen der Meeresschutzbehörden von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern belegen. In den Jahren 2008 bis 2012 wurden in den Spülsäumen der Nordsee durchschnittlich 1,5 Einweg-Tragetaschen und drei Hemdchenbeutel pro hundert Meter Küstenlinie gefunden.

Die Kunststoffe in den Spülsäumen und in den Meeren werden durch die mechanische Energie der Wellen und durch UV-Licht soweit zersetzt, dass nur noch winzige Plastikteilchen übrig bleiben. Wale, Fische, Seevögel und andere Meeresbewohner verwechseln die Kunststoffteilchen mit Nahrung, was zum Tod oder zu inneren Verletzungen führen kann. Die endgültige Zersetzung der Plastikteilchen kann Jahrhunderte dauern. Dabei können Additive wie Weichmacher zusätzlich in die Meeresumwelt gelangen und schädigen.

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