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Plastikmüll belastet die Meere zunehmend

Ob Küstennahe Gebiete oder Tiefsee. Die europäischen Meeresregionen vermüllen zunehmend. Ein Großteil des Abfalls besteht aus Plastikmüll, der mit der Zeit zerfällt und als Nahrung von Meeresbewohnern aufgenommen wird. Der Anfang eines ökologischen Desasters.
vermuellung ozeane
Vermüllung der Ozeane nimmt weiter zu. (Foto by Bo Eide/flickr)

Abfall verschmutzt nicht nur die weltweiten Landflächen, sondern dringt auch immer weiter in die Tiefseeregionen vor. Flaschen, Plastikmüll, Tampons, Fischernetze oder Telefonhörer sind selbst in den entlegensten Winkeln der europäischen Meere zu finden. Dies zeigt eine Studie eines internationalen Forscherteams um Christopher Pham vom Meeresforschungsinstitut der Universität der Azoren (Horta/Portugal) an der auch Wissenschaftler des Alfred-Wegner-Institut (AWI) in Bremerhaven und der Jacobs Universität Bremen beteiligt waren.

Nach Angaben der Wissenschaftler war es die erste großflächige europäische Untersuchung ihrer Art. Dabei nutzten die Forscher fast 600 Bild- und Videoaufzeichnungen sowie Grundschleppnetze an 32 verschiedenen Stellen des Meeresbodens im Atlantik und im Mittelmeer. In 2.000 Kilometer Entfernung vom Land liegt Müll, ebenso wie in den 4.500 Meter tiefen Tiefseegräben.

„Die höchste Mülldichte fanden die Forscher in unterseeischen Gräben wie beim Lisbon Canyon vor der Küste Portugals. Wir waren sehr überrascht, wie weit sich unser Müll in den Meeren schon verbreitet hat", erklärt Melanie Bergmann, Meeresbiologin am AWI. Andererseits haben erst kürzlich Wissenschaftler der Universität Wien entdeckt, dass mehr Plastik als Jungfische in der Donau schwimmen.

Mit 41 Prozent macht Plastik den Großteil des gefundenen Abfalls aus. Ein weiteres Drittel besteht aus Fischereimüll wie Netzen und Leinen. Außerdem fanden Pham und seine Kollegen weitere Abfälle aus Glas, Holz, Papier, Keramik und andere undefinierbare Gegenstände.

Kunststoffe sind extrem beständig und können selbst im Meer mehrere Hundert Jahre überdauern. Besorgniserregend sind nach Auffassung der Forscher nicht nur die umher schwimmenden Plastiktüten und andere größere Plastikteile, sondern die Plastikteilchen. „Mit diesen millimeterkleinen Teilen fangen die ökologischen Probleme wahrscheinlich erst richtig an", so Bergmann. So sind bei Fischen Leberschäden durch Plastikpartikeln schon nachgewiesen worden.

So verstopfen die Plastikteilchen bei den Meeresbewohnern nach der Nahrungsaufnahme den Magen- und Darmtrakt, das schließlich zum Tode führt. Außerdem lösen sich Weichmachern, PCB und andere giftige Stoffe aus dem Kunststoff und führen zu Vergiftungen.

Vermüllung der Meere nimmt gigantische Ausmaße an

Nach einem Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) gelangen jährlich rund 6,4 Millionen Tonnen Müll ins Jahr. Insgesamt könnten sich dort nach Schätzungen schon 142 Millionen Tonnen Plastikmüll angesammelt haben.

„Die große Mengen an Müll, die den Tiefseeboden erreicht, ist ein ernstes weltweites Problem", erklärte Pham. „Unsere Ergebnisse unterstreichen das Ausmaß dieses Problems und zeigen die Notwendigkeit, Maßnahmen gegen eine weitere Anreicherung von Müll im Meer zu ergreifen."

Um den Müllbestand der Meere zu erfassen, hat das Forscherteam ferngesteuerte Tauchpumpen an den Meeresboden geschickt und den Müll nach oben geholt. Des Weiteren werteten die Wissenschaftler Bilder vom Meeresboden aus. Diese zeigen, dass der Müll nicht überall gleich verteilt ist. Die Menge und die Zusammensetzung unterscheiden sich von Fundstelle zu Fundstelle. Besonders verschmutzt sind Gebiete in der Nähe von großen Städten und dicht besiedelten Regionen.

Den Müll vom Meeresboden aufzusammeln ist aus praktischen und finanziellen Gründen nicht möglich. Studienautor Christopher Pham zieht daher einen anderen Ansatz vor: " Wir müssen dringend anfangen, zu messen, wie weniger Unrat in die marine Umwelt gelangt." Einfache Maßnahmen wie recyceln oder weniger Plastiktüten zu benutzen, wie von der EU-Kommission gefordert, wären mögliche Schritte.

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