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Klimawandel: Grönlands Nordosten beginnt zu schmelzen

Lange galt der Nordosten Grönlands als tiefgefroren. Nun haben Wissenschaftler entdeckt, dass die Gletscher der Region schrumpfen. Doch was bedeutet das für den Meeresspiegelanstieg?
groenland
Auftauen des nordöstlichen Eisschilds Grönlands hätte erhebliche Folgen (Foto by FlyingLemming/flickr)

Das Abschmelzen der Eismassen Grönlands gilt als größtes Risiko des Klimawandels. Doch jetzt auch der Nordosten begonnen abzutauen – bisher die kälteste Region des grönländischen Eisschilds. Neue Daten zeigen, dass der Eisverlust unterschätzt worden sein könnte.

Die Schmelze des Grönlandeises trägt nach bisherigen Berechnungen einen halben Millimeter zum Meeresspiegelanstieg von 3,2 Millimeter pro Jahr bei. Wissenschaftler gingen bisher davon aus, dass das Tauwasser von Gletschern im Südosten und Nordwesten der Insel stammt. Neueste Messungen zeigen nun, dass auch der Nordosten Grönlands schmilzt und jährlich zehn Milliarden Tonnen Eis verloren gehen, berichten die Forscher um Shfaqaz Khan von der Technical University of Denmark in ihrer Studie, die im Fachmagazin "Nature Climate Change" erschien.

Nach den Berechnungen des Forscherteams dürfte der Nordosten Grönlands knapp 0,03 Millimeter pro Jahr zum Anstieg der Ozeane beigetragen haben. Eine schwerwiegende Erkenntnis der Wissenschaftler: „Der Nordosten Grönlands ist sehr kalt, sein Eis galt als stabil", resümiert Koautor Michael Bevis von der Ohio State University. „Aber unsere Studie zeigt, dass sich der Eisverlust im Nordosten beschleunigt."

Das grönländische Eisschild ist mehr als drei Kilometer dick und 1,8 Millionen Quadratkilometer groß und bildet nach dem antarktischen Eisschild das größte Eisreservoir unseres Planeten. In den Gletschern ist so viel Wasser gebunden, dass ihr komplettes Abschmelzen den Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen lassen würde.

Für ihre Berechnungen stützen sich die Forscher auf ausgewertete Daten von Eisdickenmessungen per Flugzeug und von Satelliten der Jahre 2003 bis 2012, sowie auf frühere Messungen seit dem Jahr 1978. Des Weiteren bezogen die Wissenschaftler Daten des GPS-Netzwerks GNET mit ein, dessen Stationen die Bewegungen des Untergrunds aufgrund der abnehmenden Eislast registrieren. Khan und sein Team konzentrierten sich dabei auf das Einzugsgebiet des 600 Kilometer langen Zachariae-Eisstroms im Nordosten Grönlands. Der Strom aus Eis reicht von der Küste bis weit ins Landesinnere und repräsentiert 16 Prozent des grönländischen Eisschilds.

Stärkere Erwärmung erwartet

Die Forscher vermuten, dass die Schmelze als eine Kettenreaktion auf den warmen Sommer 2003 zurückzuführen sei. Bis zum Jahr 2003 blieb das nordöstliche Eisschild weitestgehend stabil, das änderte sich aber mit dem Sommer. Von April 2003 bis 2012 verlor der Zachariae Eisstrom im Durchschnitt zehn Milliarden Tonnen Eis und zog sich um 20 Kilometer zurück. Zum Vergleich: Der Jakobshavn Isbrae Gletscher im Westen Grönlands benötigte für 35 Kilometer immerhin 150 Jahre.

„Die Tatsache, dass nun auch der Nordosten zunehmend zum Massenverlust des grönländischen Eisschilds beiträgt, ist neu und überraschend", sagt Studienleiter Shfaqat Abbas Khan und warnt zugleich, dass der Zachariae Eisstrom das Potenzial habe aufgrund seiner gewaltigen Größe, die Massenbalance des grönländischen Eisschilds zu verändern.

Klimaprognosen sagen gerade für den Nordosten der Rieseninsel stärkere Erwärmungen voraus. „Grönland könnte damit in Zukunft noch stärker zum Meeresspiegel-Anstieg beitragen als bisher angenommen", sagt Bevis.

Das beschleunigte Auftauen des grönländischen Eisschildes würde viele Hundert Küstenstädte bedrohen. Die neue Studie unterstreiche das Risiko von indirekten Effekten auf die Stabilität der Gletscher. Verlieren die Eisströme ihren Halt rutschen sie immer schneller ins Meer. Die Daten aus dem Nordosten Grönlands sollten daher eine Warnung sein, meinen die Wissenschaftler.

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